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Denkmalgerechter Umbau des Kräuterturms in Rheinberg

Das seit 1999 denkmalgeschützte ca. 56 m hohe Bauwerk wurde als Lagerhaus mit 12 Geschossen zur Fasslagerung des Kräuter-Digestif für die Firma Underberg 1955/56 inmitten der kleinteiligen Innenstadt von Rheinberg errichtet und ging mit der Produktionsverlagerung des Hauses Underberg über in die Verwertungsmasse der damaligen Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) des Landes Nordrhein-Westfalen über. Nach der Privatisierung der LEG wurde die NRW-Urban Trägerin des Konversionsobjektes. Gerardus Aaldering erwarb Bauwerk und Grundstück mit der Auflage, dort eine innenstadtadäquate Nutzung zu etablieren.

Im Jahr 2004 erhielten wir von der Unternehmensgruppe Aaldering den Auftrag, den Kräuterturm zu überplanen mit der Zweckbestimmung, das Gebäude zu einem Hotel umzubauen.

Die Hotelnutzung erforderte zunächst den Einbau von Fenstern. In dem ursprünglichen Lagerhaus gab es lediglich eine Transportöffnung in allen Etagen der Nordseite vom zweiten Obergeschoss an aufwärts, durch welche die mit Hilfe eines „Flaschenzuges“ in die Etagenhöhe gezogenen Fässer in das Innere des Turms verladen werden konnten.

Dort setzten wir den von uns geplanten gebäudehohen Erschließungsturm an, eine Stahlkonstruktion mit einer Rettungstreppe für alle Etagen und mit dem auf Wunsch von Gerardus Aaldering „schnellsten Aufzug der Welt“.

Als erster Rettungsweg diente das denkmalgeschützte alte Treppenhaus. Die elf Lagergeschosse beherbergten die Hotelzimmer, acht Räume pro Etage. Im zweiten OG sollte ein Wellness-Bereich entstehen. Das Erdgeschoss beherbergte die Lobby, die Rezeption und den Zugang zu den Konferenzräumen im 1. Obergeschoss. 

Im 12. Obergeschoss, einer fensterlosen Etage, welche zuvor Technikzwecken diente, entstand eine Bar mit großer Freitreppe zur darüber geplanten Glasetage. Dort planten wir ein Restaurant, den Palmengarten, dessen Küche und Nebenräume im 11. OG untergebracht wurden 

Die Baugenehmigung wurde uneingeschränkt erteilt.

Die NRW-Urban begleitete den Einbau von Fenstern in den elf Obergeschossen nach unseren Plänen. Die Glasetage wurde als Stahlkonstruktion im Rohbau errichtet.

Sodann entschied die Bauherrenschaft anlässlich der Bankenkrise 2008 und aufgrund von Studien und daraus abgeleiteten Prognosen, dass ein Hotel dieser Größenordnung in Rheinberg nicht ökonomisch erfolgreich betrieben werden könne. Die Bauarbeiten wurden unterbrochen.

Gleichwohl nahmen alternative Planungen Gestalt an. Als neues Planungsziel wurden Wohnungen definiert. Erstes und zweites Obergeschoss sollten einer gewerblichen Nutzung vorbehalten bleiben.

Das Glasgeschoss wurde als Penthaus geplant, erweitert um die Flächen im ehemaligen Technikgeschoss. Dieses Technikgeschoss sollte nun in Abstimmung mit der Denkmalbehörde ebenfalls mit neu einzubauenden Fenstern belichtet und belüftet werden. Alle Wohnungen in den Geschossen erhalten nach dieser modifizierten Planung neu zu errichtende Balkone an der Südfassade.

Der ursprünglich an der nördlichen Stirnseite geplante Erschließungsturm wurde gecancelt. Die Planung sieht nun zwei innere Aufzüge im nördlichen Bereich der Grundrissfläche vor. Einer dieser beiden Aufzüge wird als Feuerwehraufzug qualifiziert.

Die modifizierte Planung wurde mit der Bauaufsicht und mit der Brandschutzdienststelle der Kreisverwaltung in Wesel sowie mit der Denkmalbehörde abgestimmt und schließlich ohne Einschränkungen genehmigt. Lediglich die partielle Begrünung der Klinkerfassade, die wir vorschlugen, wurde von der Stadt Rheinberg wegen eines Vetos der Denkmalschutzbehörde abgelehnt. Die Bauherrenschaft hatte für dieses Unterfangen bereits eine siebenstellige Summe eingeplant, die nun storniert werden musste. Ein Bauvorhaben dieser Dimension ist keine Kurzstrecke. Insofern beabsichtigen wir bei diesem Langlaufprojekt nicht, bereits jetzt die Idee einer vertikalen Begrünung zu verwerfen.

Auf Grund einer nachbarlichen Beschwerde und auf Anraten des Verwaltungsgerichts Düsseldorf widerrief die Stadt Rheinberg 2024 die erteilte Baugenehmigung. Dieser Schritt wurde mit einem Modifikationsbedarf der erforderlichen Abstandsflächen begründet. Gleichzeitig wurde auf die Möglichkeit einer Neubeantragung der Baugenehmigung in Verbindung mit einem Antrag auf Genehmigung einer Abweichung verwiesen. Diese Neubeantragung durch die Unternehmensgruppe Aaldering erfolgte umgehend. Mit der Erteilung einer erneuten Baugenehmigung rechnet man nun zeitnah.

Ein erneuter Baubeginn ist für das Jahr 2026 geplant.