Sanierungen in Leipzig Schönefeld
Nach der friedlichen Revolution in der DDR, im Januar 1990, also noch vor der Vereinigung beider deutscher Landesteile, eröffnen wir zusätzlich zu unserem Standort in Gelsenkirchen ein Zweitbüro in Gohlis. Zu einer Zusammenarbeit mit der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft, die ihren Sitz ebenfalls in Gohlis hat, kommt es recht bald.
Wir werden mit der Sanierung von 600 Wohnungen zwischen der Schönefelder Allee und der Paul-Heyse-Straße am Mariannenpark beauftragt. Das Projekt besteht aus mehreren Gebäudeblocks. Es handelt sich um ein genossenschaftliches Wohnungsbauprojekt der vergangenen Zwanziger Jahre. Die meisten Wohnungen sind vermietet. Zu der Sanierung der Freianlagen und der Fassaden und einem Update aller Wohnungen kommt der Ausbau der bis dahin nicht ausgebauten Dachgeschosse hinzu, was einen Zuwachs von weiteren 100 Wohneinheiten erbringt. Obwohl zu diesem Zeitpunkt in Sachsen ein Denkmalschutzgesetz noch nicht existiert, antizipieren wir die einschlägigen Schutzregeln in Abstimmung mit der Auftraggeberseite.
Wir arbeiten mit einem Team von Planern und Ausschreibern und mit westdeutschen und Leipziger Bauleiter*innen bis etwa 1995 an diesem Projekt. So gut wie alle Bauarbeiten werden von ortsansässigen Betrieben ausgeführt. Behörden, wie eine westdeutsche Bauaufsicht gibt es hier erst in einem Stadium des Aufbaus, viele westdeutsche „Verwaltungsexperten“ etablieren sich zu dieser Zeit auch in Leipzig. Sie verfügen allerdings bei aller Neigung zu Bürokratie noch nicht über die Mittel, unseren Abläufen Steine in den Weg zu legen.
Wir sind schneller.
Die Sanierung soll in bewohntem Zustand erfolgen. Für den Austausch von Fenstern und Türen und für den Ersatz von Kohleöfen gegen den Einbau von Heizungen geht das noch an. Die vollständige Erneuerung der vertikalen Technik und der Elektroinstallationen jedoch führt bei bewohnten Wohnungen zu überfordernden Situationen und Belastungen. Das Projekt entwickelt sich von einem schonenden Eingriff zu einer „Totaloperation am lebenden Körper“. Nun sollen auch die Kelleraußenwände trockengelegt werden.
Ein Revolvingmanagement wird in Abstimmung mit der Hausverwaltung konzipiert.
Zunächst werden wenige freie, nicht vermietete Wohneinheiten identifiziert. In diese Wohnungen ziehen Familien vorübergehend um. In den zweispännigen Hauseinheiten kommt es nach einer Weile zu einer Baufreiheit auf zunächst einer Seite eines Treppenhauses. So kann ein vertikaler viergeschossiger Gebäudeteil komplett bearbeitet werden. Gleichzeitig kann der Ausbau der Dachgeschosse erfolgen, bei welchem der zutage tretende „Gemeine Hausschwamm“ zunächst zu sanieren ist, und zwar nach Regelwerken, die in Sachsen zu diesem Zeitpunkt noch nicht konstituiert sind. Im kontinuierlichen Fortgang der Arbeiten können die vorübergehend umgesiedelten Mietparteien bald in die frisch sanierten Wohnungen oder in eine der neuen Dachgeschosswohnungen umziehen. Sie stellen auf diese Weise weitere bis dato noch nicht sanierte Wohnflächen frei, die nun wieder für einen Fortgang der Sanierungsarbeiten zur Verfügung stehen. Irgendwann schließt sich dieser Kreis.
Nur wenige Familien haben sich wegen der Unpässlichkeiten des Baugeschehens zu einem Abschied von Schönefeld entschlossen. Die meisten haben das ertragen und sind geblieben. Manch eine Familie, so die Legende, ist nach all den Umständen sogar wieder in Ihrer ehemaligen Wohnung angekommen.